Dazwischen: wie eine Verrückte. Der Mensch eingedenk der Hormone. Dieses Ausgeliefert Sein. Dieses Alles viel mehr Fühlen. Das Alles ständig Unterdrücken. “Ehrbaren” Eindruck machen. Dann: meine riesige Schrift an diesem Novembertag 2002 – auch ein Zeichen inneren Aufruhrs. Damals nahm ich die Pille, also muss es etwas anderes gewesen sein. Auch jetzt der Impuls ausladend zu schreiben, zu malen, mit Ausrufezeichen, laut, schreiend.

Das Schreiende Malen.

Das Schreiende Zeichnen.

Das Schreiende.

Er ist unerträglich, dieser Zustand. Unerträglich. Aber interessant. Ob das mit der Malgruppe möglich ist? Inneres Schreien. Inneres Flüstern?

Warum dieser Drang, die Welt (Ausschnitte, sehr zarte) malend, zeichnend festzuhalten? Rauszuschneiden, auszuschnitzen aus dem großen Ganzen? Bin ich heute ganz und gar unglücklich? Frustriert – aber auf interessante Art und Weise. Flüchtend, aber doch auch nicht. Das, was ich zeichnen will, all das, was in mir ist und raus will – ist die Tochter und der Raum rund um sie. Und Mein-sie-Halten.

Nicht unbedingt Körperwohlgefühl – alles kratzt, die Haut ist trocken, die Augen brennen, es ist so eisig draußen, dass diese Kälte alles ergreift, was sie zu fassen kriegt und gleichzeitig schwitzt man, weil man den dicken umständlichen Lammfellmantel anhat beim Fahrradfahren. An meiner Handinnenfläche riechen macht vieles besser. Malen möchte ich heute – mit der Tochter – weil mich Malen konzentriert, zusammensammelt – einfach durch die Bewegungen, es ist ja ein aus-der-Luft-pflücken, ein Sichtbar-Machen von bis dato Unsichtbarem. Die trockenen Lippen, die eingerissene Nagelhaut. Das hat wohl seine eigene Schönheit. Heute scheint eine wunderbare Wintersonne und ich dachte mir, wie sehr es beeinflussen würde, das Wissen: Das ist die glücklichste Woche deines Lebens. Wie sehr man alles umdeuten würde, anders sehen, genießen, dankbar sein. Oder man verzweifelt – an der angeblich glücklichsten Woche – an dieser Vorgabe – weil man das Glück nicht findet. Aber das heißt wiederum nur, dass man eine konkrete Glücksvorstellung hat und der Vergleich nicht so standhält. Und wie immer ist der Vergleich allen Übels Ursprung. Aber vielleicht gelingt es – wenn es gelingt, mich nicht zu vergleichen – mich in etwas einzuklinken – eine Glücksströmung, eine universale, die immer da ist. (Bei weitem nicht immer zugänglich.) 

Eine Möwe, die über die Dächer flog und die gleißende Sonne fing – für einen Moment. Die Farbe rot. Antizipation. 

Das gefunden haben, was mich berührt – die Liebe zu meiner Tochter – diese sich bildlich ausdrücken lassen.

Eine Tochter
A3, Mischtechnik auf Büttenpapier

Ich weiß nicht, was ich über den Krakau-Traum schreiben kann? Es fühlt sich an, wie in eine vergangen Dunkelheit abtauchen. Alles ist verschwurbelt, alles ist zusammengemischt – wichtige Orte meines Lebens (in der Traum-Version), Gefühle, Beziehungen – und dieses bunte, dichte Gemisch ergibt: Dunkelheit. Natürlich.

M. ist mit dem Liedchen eingeschlafen und aufgewacht: “Meine Augen sind verschwunden. Ich habe keine Augen mehr. Ei, da sind die Augen wieder. Tralalalala.” Wobei sie nur den ersten Teil singt, was ein bisschen eery ist.

Eine Art Tanzveranstaltung: Eltern und kleine Kinder. Ich sitze am Ende eines langen Tisches neben Putin (als Stellvertreter für einen mächtigen Mafia-Mann, der aber gleichzeitig Vater ist), wir reden. Ich habe einen Dutt, nur ein geripptes Unterhemd an, eine weite Hose. Als er aufsteht und mit seiner kleinen Tochter (Sohn?) doch tanzen geht, sagt er noch zu mir: Mit der Frisur sehe ich aus wie ein Baby.

Der Weltmarkt ist leer. 

Mich erst hineinschreiben ins Jetzt. Heute haben wir es umgedreht – und ich habe den Nachmittag bekommen um zu arbeiten. Und der Vormittag oben in der Wohnung mit der Süßen hat erstaunlich gut funktioniert – außer, dass ich jetzt ganz fahrig bin, wie nach zu viel Kaffee. Die Energie der Süßen + zu viel Handykonsum, – kommunikation, Radio, News. Meine Haut spannt. Brav Körperchen. Brav Häutchen. Die Prioritäten werden sich verschieben. Beziehungen werden sich verändern? Die innere Landschaft (der innere Garten) wird anders aussehen. Oh, ja, körperliche Erschöpfung jetzt, Müdigkeit. Hab wohl nicht so gut geschlafen – die Süße hat Husten. Das Bild “Vater & Tochter”, das ich vor kurzem gemalt habe, ich liebe es, es ist mir (schnell) ganz wertvoll geworden. Eine Art umgekehrter Pietà: Nicht Mutter und Sohn, nicht Schmerz – sondern Vater & Tochter, Geborgenheit, Paradies. Nach einem Foto, das auf der Rückfahrt von Sopron im Zug entstanden ist. Sicher ist alles leichter mit Musik gerade, eine Art Schutz vor dem Ausgeliefertsein einer inneren Leere (vor dem inneren Rauschen), das jetzt da ist, wenn ich still werde, wenn niemand um mich ist, wenn ich meditiere. 

Pietà – Vater und Tochter
A2, Aquarell auf Büttenpapier

Oh, wir werden alle schön sein, wenn wir wieder auftauchen…wir werden uns in unseren schönsten Frühlingsfarben zeigen..!

Leuchten sollen sie, brennen vor Verlangen. Die Bilder. Lichtdiffusion. Lichtdurchdrungen. Licht soll malen. Lass immer Unbehagen drin sein.

Noch nie waren so viele Fenster im Hof gleichzeitig erleuchtet wie jetzt. Die merkwürdigsten Dinge passieren. Ich trinke jeden Abend ein Glas Rotwein mit mir allein. #LiebeinZeitenvonCorona

Ich führe innere Dialoge mit N. Sie passieren mit Leichtigkeit. Sie erheitern mich, sie haben natürlich eine flirtige, anzügliche Note. 

Aus der Wohnung drüben, aus der Terrasse tritt halb ein Arzt heraus – ich sehe nur seinen weißen Kittel, sein Stethoskop und seine sich desinfizierend reibenden Hände. 

Kaum zwei Tage warm – werde ich schon von Gelsen zerfleischt. M. ist großartig. Wir beide, ich und C. (am Ende unserer Weisheit, Geduld, Kapazitäten) weinen (fast).

Atme das Lächeln, das du heute vielleicht von einer Spaziergängerin bekommen hast ein, tief in dein Herz hinein. Die Menschen öffnen ihre Fenster, sitzen am Fenster. Ein ballspielendes Kind zwei Höfe weiter. Es sind fast Feriengeräusche. Unsäglich gut, zum Weinen gut tut mir dieser Moment, wo ich schreiben darf, M.ruhig in der Sandkiste spielt. Wie schön sie ist, wenn sie so konzentriert arbeitet. 

Seit Tagen Schweigen von Seiten der Freunde, weil das Erlebte, weil die Situation noch jenseits von Worten ist. Weil man alle Kapazitäten braucht, um sie zu durchleben, erleben.

Ich hätte das Gefühl, ich wäre schön genug für dich. Für einen Moment…warst du der vorgestellte Mann. 

Vielleicht entstehen in diesen Tagen der Selbst-Quarantäne Lieben über die Balkone hinweg, über Höfe, von Fenster zu Fenster. Und es endet damit, dass man sich sagt: “Danach treffen wir uns.” Wie Viele werden wohl durchdrehen in diesen Tagen?

Ich glaube, M. hatte einen Traum: Sie erzählt mir: “C. hat geweint!” Und dann noch irgendwas mit “C. Mama und Buzi. Känguru-Buzi!”