Was ist noch typisch für Seuchen-Träume? Für meine: Dass oft das Ennstal, das Haus in Losenstein, in dem ich aufgewachsen bin und die Ennstaler Landschaft mit ihren Kurven und Hügeln, mit ihrer andauernden Flußnähe in meinen Träumen vorkommt. 

Der junge Amerikaner: Nur ein ganz verschwommenes versuchtes Portrait ist vorstellbar. Und es ist mehr ein Suchen und das Gefühl als ein Portrait. Wasser erst, dann Aquarellfarbe mit Pinsel, dann mit den Fingern das Gesicht herbeistreicheln – mächtige Magie?!

Ich bin mir unklar  – meines Körpers, meiner Identität.

Ich sehne mich nach einem Blick von ihm? Nach einer intimen Kontaktaufnahme, nach einem Erkennen zumindest.

Eine Art Kulmination scheint dieser innere Karlsplatz zu sein.

Through the looking glass.

Through a window darkly.

Durch eine zerkratzte, grindige Plexiglasscheibe.

Wie süß war das gestern, als M. schreiend aufwachte und nach “der Desi!” verlangte, in unser Bett gekrabbelt war und ich kam zu ihr, beugte mich über sie, hielt ihr Gesichtchen, ihr Köpfchen in meinen Händen und streichelte sie und sie hat – schlaftrunken – ihre Ärmchen um mich geschlungen.

Umraum – wie Ordnung – eine enge Verbindung zwischen mir, meiner Welt, meinen Bildern, anderer Menschen Umräume entsteht.

Von der Kraft oder Sinnhaftigkeit der Unzufriedenheit. Wenn ich meinen Mund schon leicht öffne heute, spüre ich einerseits den Schmerz im Kiefer (ist es Schmerz – oder ist es Bewusstsein?) andererseits ist sofort mehr Milde, mehr Offenheit da, Offenheit für den Moment, für die Umgebung. Allein fühle ich mich heute – und gleichzeitig sind mir Treffen zu anstrengend. Nur so geht’s: Allein sein, schreiben, trotzdem gesehen werden, sehen, hören – weil Kaffeehaus.

Und vielleicht ist das, was aus uns herauskommt nur halb so gescheit, wie das, was in uns drin ist. Weil…durch 1000 Filter gehend? Nervosität? Oder eben Sprachanpassung, um von so vielen Menschen wie möglich verstanden zu werden – und das Produkt: Verflachung (außer man findet eine Herzsprache, die tiefer geht, die dem Kern, der uns allen gemeinsam ist, innewohnt.) “Ein Gefühl in ein Wort sedimentieren.”

Frauen und Blumen. Was ist essentiel? Frauen und Blumen? Wo beginne ich? Wie teile ich? Wie führe ich (von allen Enden) zusammen? Um so auf einen Kern zu treffen? Hab ich ihn schon getroffen? 

Immer die Sachen sofort machen oder doch besser im Inneren tragen, garen, bis es gar nicht mehr geht? Der Luxus meiner Arbeit ist auch ein schmerzhafter. Meine Arbeit tut weh, wenn sie in einem Stadium ist wie jetzt. 1000 Stacheln von Innen nach Außen und 1000 vorgestellte Stacheln von Außen nach Innen. 

Die Welt anhalten – in einen Zustand des Flimmerns, Flirrens, all um mich herum = Geborgenheit.

Auch bei ihr ist eben diese innere Gewalttätigkeit, die ich spüre, vor der ich flüchte. Die sie laut versucht in die Flucht zu schlagen. Mit Naivität und Peinlichkeit.

Die innere Gewalttätigkeit. Was dem entgegensetzen: Unschuld, Geborgenheit? Wurde das eine nicht durch das andere ersetzt? Die Unschuld, die wir hatten, durch die Gewalttätigkeiten, denen wir ausgesetzt waren?

Es gibt viel (fast gleißendes) Sonnenlicht in ihrer Wohnung: Es gibt einen Raum, wie eine kleine Nische, ein runder Vorbau, wo die Sonne reinfällt. Gleichzeitig ist er nicht genutzt von ihr, weil zu klein? Weil sie nicht weiß, wie sie ihn nutzen kann?

Wie wertvoll mir eigentlich jeder Moment des Treffens mit ihm war, ist, auch, wenn in dem Moment, in den Momenten 1000 Ebenen sich überlagerten. Ich bin mir bewusst wie wertvoll und wie dankbar. Als er sagte, sowas wie, ich bin froh, dich zu sehen, ich bin sehr froh, dich zu sehen und ich nichts anderes tun konnte in dem Moment als – glücklich – gelähmt, eingefroren zu Boden zu blicken und lächeln.

Ein Mann poltert herein, stößt überall an, ist dick, hat eine tiefe, brummige Stimme, fragt, ob er sich an den reservierten Fenstertisch setzen kann, wartet kaum die Antwort ab. Speichel sammelt sich in meinem Mund, mir ist fast schlecht vor Müdigkeit. Durch die Müdigkeit ist aber auch jegliche Leidenschaft weg, jegliches Zittern und Bangen, Verzweifeln und Streben.