Schwarze Tage, die zeichnen sich hauptsächlich dadurch aus, dass ich meine Beziehungen in Frage stelle – dass ich sie als so unzufriedenstellend und mangelhaft sehe, dass ich dazu neige, sie zu zerstören. Diese digitalen Kurzbegegnungen nehmen mir oft mehr als sie mir bringen. 

Atelier: Die Bilder – schlachten muss man sie. Malen: Wie den Kopf in beide Hände nehmen und drehen. 

Alles zulassen. Die Veränderungen der Freundschaften, Mutter werden, Mutter sein, Corona. Hoffentlich werden wir an diesen Namen – Corona – einmal nicht (nur) mit Abscheu und Angst zurückdenken, als etwas, das wir besiegt haben – oder das uns besiegt hat, sondern auch voller Dankbarkeit, Milde und Süße. 

Solche Bilder wie gestern könnte ich heute nicht malen – zu körperlich erschöpft. Manche Bilder brauchen Wut, um entstehen zu können. Wut also ein wichtiger Geburtshelfer?

Utmost Depression
A2, Mischtechnik auf Büttenpapier
Die Therapeutin denkt über ihre Klientin nach
A2, Mischtechnik auf Büttenpapier

Und wenn ich gerade etwas auf der Spur bin dann ist das auch auf einer unsichtbaren Grenzlinie – oder zwischen mehreren unsichtbaren Grenzlinien – aufgespannt in einer inneren Luft. Gitterstäbe, Flechtmuster – wie der Hut. Und wenn mich Hüte gerade interessieren, dann ist das auch nur ein Symbol für Licht und Schatten, das mich hinter allem interessiert. 

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O.T., A2, Mischtechnik auf Büttenpapier

Aber auch, dass ich mich von innen anders sehe – oft zerquetscht und verzerrt von äußeren Idealen und dem dementsprechenden Anders-sein-Wollen. Aber wie bin ich? Und immer wieder: Wie bin ich? Jetzt? 

Ende April
Schreibend und kaffeetrinkend ein Mensch sein – das fehlt mir. Und deswegen ist es in der Früh für mich schwierig, voller Engergie zu sein und Freude und Güte. Geduld mit der Süßen habe ich trotzdem erstaunlich. Und wahrscheinlich ist deswegen nichts für C. übrig oder für mich?! 

Ja, bin leer. Kann nicht mehr malen. It’s over. Ausgelutscht. Hab alles gegeben und jetzt kann ich nicht mehr. Hab mein Bestes gegeben – und es ist nicht gut genug. Kann nicht mehr sehen, kann nicht mehr beurteilen – oder beurteile zu harsh. Zusammenbruch – Durchbruch? Ich steh so an. Selbstmord oder Umschichtung der Werte – sehen, dass man glücklich ist, privilegiert, schön. Dass man fühlen darf, erkennen. Wenn man sich doch so schiarch fühlt, unelegant, zu spät dran für alles, ein Leben lang die falschen Entscheidungen getroffen. 

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O.T., A2, Mischtechnik auf Büttenpapier

Es ist fast bei allen Frauenbegegnungen so eine lauernde Vorsicht da. 

Thinking painful thoughts. Swallowing painful thoughts (while wearing a pink dress) – so wäre der Titel meines letzten Bildes – schon in einem Zustand der Verzweiflung, des lähmenden Minderwertigkeitskomplexes getan – da war keine Lust mehr. Gedanken, Phantasien mit denen ich mir selbst weh tue. Ich habe mein Bestes gegeben – und bin so weit von irgendeinem Ideal, von irgendeinem Erfolg entfernt wie nur was. Ich habe mein Bestes gegeben – und sitze doch (zum zweiten Mal heute) schluchzend am Boden im Dunklen im Atelier, needy, oh, so bedürftig nach jemand, der mich abholen kann mit meinen Gedanken, der mich rausholen kann aus meinem Feststecken – aber da ist niemand, da schreibt niemand, da sieht mich niemand, und genauso bin ich unfähig, Worte nach Außen zu finden und sitze im Dunkel und schluchze, und weiß doch, was, ich werde es schaffen, ich werde am anderen Ende dessen ankommen – auch das geht vorbei – ha, schau, Buddhismus ist einfach, aber er ist auch so scheiß-ernüchternd. 

Und doch haben wir das Atelier zu einem heiligen Raum gemacht.