März und dann April 2020

Ein wunderschöner Tag jetzt nocheinmal – morgen wieder Winter. Es riecht nach frischer Wäsche jetzt im Garten. Kein Wind. Die Luft ist weich und lau. Nur nervlich merke ich den Ausnahmezustand. Daran, dass ich gerade C. anpflaumte wegen technischer Gebrechen – und obwohl ich wusste, dass das für niemand von uns gut ist, konnte ich nicht anders. Die Bäume trösten mich – und der blaue Himmel. Die Menschen…naja – einerseits Solidarität, andererseits sind viele zu nahe. Niemand von uns hätte sich vor einem Monat gedacht, je in so einer Situation zu sein. 

Die Selbstriechung = die Selbstberuhigung.

Ein Hautfetzerl wie ein Rosenblatt – nur blasser.

Ein Nachbar im Hof gegenüber hat ein Plakat an sein Fenster geklebt – ich kann es nicht lesen. Solche Situationen bringen das Beste und Schlechteste in uns Menschen zum Vorschein. Vorscheinen. Als gäbe es mehrere Schichten von Schein, übereinandergelegt.

Nach dem Malen: Ja, das ist eigentlich der besessene (oder erfüllte) Bewusstseinszustand, den ich mir gestern gewünscht habe. Alles verbindet sich. Alles verbindet sich wieder durchs Malen. Malen ist das Gesündeste, was ich für mich gerade tun kann. Beim Müllraustragen in der Dunkelheit sehe ich kurz den Boden nicht und genausogut könnte sich jetzt ein Loch auftun und mich in eine andere Welt verschlucken, denke ich. Ich bin die Schaffende – zumindest das! Und ebenso beim Müllraustragen: Dass plötzlich dieser ganze Zustand für mich ein erweiterter Bewusstseinszustand ist – als würden wir in einem dystopischen Roman leben. Die unsichtbare Gefahr – Viren in der Luft – all um uns, allüberall und wie es das Denken verändert (beim Einkaufen heute war es ein Thriller, ein Psychothriller) und jetzt beim Denken, Neu-Denken: Was muss ich jetzt desinfizieren in welcher Reihenfolge? nehme ich eben dieses ständig neu denken müssen als erweiterten Bewusstseinszustand war? Denn was ist es anderers als Gehirnelastitzität?!

Die Süße packt in ihr “Auto” (das eine Korbkiste ist) auch mein für sie gemaltes Klo-Bilderbuch, sagt, “Kommt mit auf die Reise.”

Armer Vogel, armer Vogel, armer Vogel, 

ich bring dir Ästchen,

ich bring dir ein Steinchen,

ich bring dir ein Flügelchen.

Ich erweise dir Ehre.

Ich streichle dich mit meinen schmutzigen Händen – 

so tröste ich dich, so tröstest du mich.

Alle Vögelein bist du, M. und all die zu tröstenden Püppchen und Tierchen, die du mir bringst “weint!” um sie zu streicheln, zu halten, die bin ich und du. Liebste. Du bist so klug.

Jetzt ist ein guter Moment – weil es – plötzlich – lustig schneit. Meine Lippen sind so trocken und aus meinem Kopfweh ist Schwindel geworden.

Mein Gehirn machte aus all dem eine Flut an Bildern – viel zu schnell um sie festzuhalten. Anstrengend, aber auch aufregend – erweiterter Bewusstseinszustand also. Die Besessenheit, die ich wollte. Ich habe keine Lust mehr auf “den vulgären Akt des Erklärens”. Das Bild, es leuchtet.

Endlich haben sie Platz, die Figuren, auf den neuen, größeren Blättern. Sie sind noch ein bisschen zögerlich, ihn einzunehmen.

Von der unendlichen Schwierigkeit Liebe auszudrücken.

The New Pope: “Do you know what is so awful about these endless battles of rights? There is no room left for poetry.”

Die Bilder sollen “zwoosh” machen. Und irgendetwas an ihnen soll schlagen – bei aller Sanftheit.

Endlich Atelier. Today: Everybody fuck off – Antirainbow.

It bugs me – it bugs you
A2, Mischtechnik auf Büttenpapier

Komposition ist Gefühl. “It bugs me – it bugs you.” Alte lyncheske Alpträume. Dass ich immer wieder so um Eloquenz kämpfe, wo ich doch mit dem zugange bin, was jenseits von Sprache liegt? Wo ich doch meist in Bereiche jenseits (vor) der Sprache tauche. Farben (Bilder) bergen so ungleich viel mehr an Information. Die schweren Steine von ihrer Brust nehmen…ihr Raum geben. 

Vor der Geburt eines Bildes, wenn man mich nicht arbeiten lässt: explosiver Grant. 

Etwas soll stillstehen, den Atem anhalten, schreckerstrarrt. Und dann wieder ganz weich. Atmend. Durchlässig. 

Hält ein Bild nur zwei Blicke aus – klar und scharf und direkt? Und das dritte Gesicht muss verschleiert sein, abgewandt. Gedrängt muss es sein in meinen Bildern – oft stopf ich Figuren in ein Format, das zu klein für sie ist -> Dichtheit. Licht, immer noch, Lichtdurchdrungenheit. Das Kind ist ganz woanders als die zwei erwachsenen Frauen. Das ist Trauma und Resilienz gleichzeitig! Inneres Exil. Und etwas muss zerfließen, zerstäuben, ganz leicht sein und etwas muss verletzt sein.  Bin ich gern in ihrer Gegenwart (der Gegenwart der Bilder) – das ist die Frage?